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Die Gründung des Radfahrer-Vereins Zürich
Das ausgehende 19. Jahrhundert, das Fin de siècle, ein Zeitalter relativen Friedens und rasanter wirtschaftlicher wie technischer Entwicklung brachte als Hauptmerkmal der Epoche die moderne Grossstadt hervor. Auch die Stadt Zürich wagte mit der ersten Eingemeindung den Sprung in die Moderne. Am 12. Januar 1893 trafen sich die 16 Gründer unseres Vereins, unter ihnen mit O. Schwörer der erste Präsident, im Restaurant zum Wilden Mann an der Langstrasse. Dass damals eher der gesellige Aspekt im Vordergrund stand, wird im Protokoll vermerkt. «Um die Radfahrer von Aussersihl besser untereinander bekannt zu machen, um die Geselligkeit und die Gemütlichkeit unter denselben zu pflegen und zu fördern» wurde als Vereinszweck formuliert. Beim folgenden Streit der Gründerväter um den Namen des Vereins ging es ums Prinzip, ob aus der neuen Gemeinschaft ein Quartierclub oder ein Stadtverein werden sollte. Vorgeschlagen waren «Gesellschaftliche Radfahrer Zürich» oder «Velo-Club Aussersihl».Erst am 1. August 1893 erhielt der Verein mit «Radfahrer Union Zürich» seinen Namen, womit auch gleich zu Beginn eine tragende Säule der Vereinspolitik gesetzt war, dass wir heute noch der Stadtverein sind. Dass die später vielzitierten Uniönler ausschweifenden Wohlstand zeigten und im Frack und Zylinder mit der Droschke zu ihren Vereinsessen oder an die Bundesfeste des SRB fuhren, zeigt nicht nur, wie die Handwerksmeister in dieser Aufbauphase der Stadt gut verdienten, sondern auch, dass die aufkommende Sportbewegung bei einer Wochenarbeitszeit von 66 Stunden eine Herrenangelegenheit war. Das Velocyped, als ein Innovationsprodukt jener Zeit, war teuer. Der Ausreifungsgrad hatte im Vierteljahrhundert nach der Erfindung des Pedals durch Ernest Michaux mit dem Kettenantrieb und der Pneumatik einen praktikablen Stand erreicht, der eine weitere Ausbreitung erlaubte als die Gaginstrumente wie Hochräder, mit denen sich einige besonders mutige Künstler produzierten. Wenn unseren Uniönlern ein Hang zur Exklusivität nachgesagt wird, liegt der Schluss nahe, dass eine Art zünftlerischer Beziehungspflege sehr wichtig war. Das aufstrebende Bürgertum orientierte sich kulturell an der Aristokratie. Die Unlönler, die in schicken Anzügen, alle mit der blauen Samtkappe des Vereins im Verband, angeführt durch den Standartenträger und den Fahrwart mit Clairon, ihre Touren fuhren, sahen ihr Vorbild sicher in der Kavallerie.
Die Fusion mit Veloclub Adler und Racing-Club Zürich
Den Namen unseres Vereins, Radfahrer-Verein Zürich, gab sich die RadfahrerUnion an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 28. Juli 1917. Diese Namensänderung wurde im Hinblick auf die vorgesehene Fusion mit dem Velo-Club Adler und dem Racing-Club Zürich vorgenommen. An vereinter Generalversammlung im Casino Aussersihl beschlossen die drei Stammsektionen im Dezember 1917 die Fusion per 1. Januar 1918. Mit F. X. Marzohl, dem Zentralsekretär des SRB ' wählte die Versammlung den Mann zum Tagespräsidenten, der die treibende Kraft des Fusionsgedankens war. Wie Ernst Ingold in seinen Erinnerungen ausführt, vertrat derselbe Marzohl auch den Standpunkt, das Mannschaftstraining zu forcieren, weil die Mannschaftstitel länger im sportlichen Gedächtnis haften. Marzohl kann damit auch als Initiator einer beispiellosen Siegesserie des Radfahrer-Vereins Zürich an den Schweizer Meisterschaften im Mannschaftsfahren gelten.
Da die Vereine im 1. Weltkrieg durch die lange Grenzbesetzung in ihren Aktivitäten stark eingeschränkt waren, stellte die Fusion ein Gebot der Stunde dar und eröffnete auch die Möglichkeit, mit vereinten Kräften höhere sportliche Ziele anzustreben.
Bevor die Geschichte des Vereins unter dem neuen Namen fortgeschrieben wird, gilt es, noch einmal die drei Stämme des RadfahrerVereins Zürich zu würdigen. Die Radfahrer-Union feierte ihre grössten Erfolge im Vereinstourenfahren des SRB, das sie vor der Fusion fünfmal gewann. Daneben setzte sie, wie im Eingangskapitel geschildert, vor allem im gesellschaftlichen Leben Massstäbe. Im Velo-Club Adler, gegründet 1904, galt das Hauptinteresse hingegen dem Rennsport. Gründungsmitglied Henry Hönes, ein legendärer Kämpe, gewann 1904 die erste Clubmeisterschaft. Auch im Saalsport errang der Velo-Club Adler einige Erfolge. Der Racing-Club Zürich, gegründet 1907 unter dem Namen VeloClub Westfalen, der 1913 geändert wurde, pflegte die Sparten Rennsport und Tourenfahren. Das grösste Erbstück des Velo-Club Westfalen ist die in diesem Jubiläumsjahr zum achtzigsten Mal zur Austragung kommende Meisterschaft von Zürich, die der VC Westfalen im Jahre 1910 zum ersten Mal ausrichtete, um seine Kasse aufzubessern. Der erste Sieger hiess Paul Suter, der spätere Weltmeister.
Die goldenen Jahre - Zwei Weltmeister
Die Zwanziger- und Dreissigerjahre gelten als die goldenen Jahre des Bahnrennsports. Damit sind sicher nicht nur Goldmedaillen gemeint, sondern es wurde damals von einigen Bahnprofis bestimmt auch gut verdient, als es noch kein Fernsehen gab und das Publikum in Massen die Tribünen besetzte mit bis zu zwölftausend Zuschauern in Oerlikon oder dreissig- bis vierzigtausend in den Metropolen Paris oder Berlin. In den nachfolgenden Abschnitten wird diese Epoche, die ausführlicher im Buch «Rennfahrerschicksale» und in verschiedenen Rennfahrerbiographien beschrieben ist, in einer engeren vereinsgeschichtlichen Optik zusammengefasst. Unzählige Meistertitel gewannen die RVZ-Fahrer in den klassischen Bahndisziplinen Sprinter und Steher. Die 1921 erstmals durchgeführte Meisterschaft im Bahnmannschaftsfahren konnte sich unser Verein gleich achtmal in Serie sichern. Der zweifache Amateur-Sprintermeister Emst Leutert, die Clubmeister Ferdinand Stalder 1 und 11, Gottfried Wellenmann senior und der spätere SRB-Zentralpräsident Carl Senn bildeten die ersten Meistermannschaften auf der Bahn. Später wurde diese Kernequipe ergänzt mit weiteren Fahrern wie Strassenmeister Albert Blattmann, MvZ-Sieger Alfred Saccomani und der Rennbahnlegende Emilio Richli. Die absolute Vorherrschaft des Radfahrer-Vereins Zürich zu jener Zeit in dieser Disziplin dokumentiert die Tatsache, dass sich 1924 gleich eine komplette RVZ-Mannschaft mit Gottfried Wellenmann senlor, Arnold Nötzli, Emst Leutert und Emilio Richli an die Olympiade in Paris delegiert sah. 
Schweizermeister Mannschaftsfahren (Bahn)
(bis 1924: 5 Kilometer, ab 1925: 4 Kilometer) |
| Jahr |
Verein |
Zeit |
Fahrer |
| 1921 |
Radfahrer- Verein Zürich |
6:52,4 |
Ernst Leutert, Carl Senn, Ferdinand Stalder I, Ferdinand Stalder II |
| 1922 |
Radfahrer- Verein Zürich |
6:44,0 |
Carl Senn, Ernst Leutert, Ferdinand Stalder I, Ferdi- nand Stalderll, Gottfried Weilenmann sen. |
| 1923 |
Radfahrer-Verein Zürich |
6:39,8 |
GottfriedWeilenmannsen., CarlSenn, ErnstLeu- tert, Ferdinand Stalder I, Ferdinand Stalder II |
| 1924 |
Radfahrer-Verein Zürich |
6:28,0 |
Gottfried Weilenmann sen., Albert Blattmann, Al- fred Saccomani, Arnold Nötzli, Ernst Leutert |
| 1925 |
Radfahrer-Verein Zürich |
5:10,0 |
Albert Blattmann, Alfred Saccomani, Gottfried Weilenmann sen., Arnold Nötzli, Dagobert Hasler |
| 1926 |
Radfahrer-Verein Zürich |
5:05,8 |
Emilio Richli, Gottfried Weilenmann sen., Ernst Leutert, Hermann Kläusli, Albert Scheuchzer |
| 1927 |
Radfahrer-Verein Zürich |
5:08,0 |
Gottfried Weilenmann sen., Paul Schuler, Albert Scheuchzer, Ferdinand Stalder 11, Fritz Mathis |
| 1928 |
Radfahrer-Verein Zürich |
5:11,8 |
|
| 1929 |
Velo-Club an der Sihl |
5:06,2 |
|
| 1930 |
Radfahrer-Verein Zürich |
5:02,0 |
Ernst Bühler, Willi Stocker, Fritz Reischer, Fritz Feldmann, Rene Aeberhard |
| 1931 |
Radfahrer-Verein Zürich |
5:08,0 |
Willi Stocker, Albert Scheuchzer, Ernst Weber, J osef Grätzer, Otto Schweizer |
| 1932 |
Radfahrer-Verein Zürich |
5:05,8 |
WilliStocker, WernerWalter, WernerWägelin,Al- bert Scheuchzer, Ernst Moosmann |
| 1933 |
Radfahrer-Verein Zürich |
5:11,6 |
Willi Stocker, WernerWägelin, Ernst Moosmann, Ernst Fuhrimann, Werner Walter |
| 1934 |
Velo-Club an der Sihl |
5:12,2 |
|
| 1935 |
Radfahrer-Verein Zürich |
4:59,8 |
Werner Wägelin, Willi Kaufmann, Walter Richli, Albert Kägi, Ernst Fuhrimann |
| 1936 |
Radfahrer-Verein Zürich |
4:54,8 |
Werner Wägelin, Walter Richli, Ernst Fuhrimann, Albert Kägi, Fritz Reischer |
| 1937 |
Velo-Club Industrie |
4:59,4 |
|
| 1938 |
Velo-Club Industrie |
5:04,8 |
|
| 1939 |
Keine Austragung |
|
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| 1940 |
Velo-Club an der Sihl |
5:17,6 |
|
| 1941 |
Velo-Club an der Sihl |
5:12,4 |
|
| 1942 |
Radfahrer-Verein Zürich |
4:58,8 |
Hans Hagenbuch, GottfriedWeilenmann,FritzBau- mann, Gustav Grabs, Gustav Fritschi |
| 1943 |
Radfahrer-Verein Zürich |
5:03,4 |
Hans Hagenbuch, GottfriedWeilenmann,LeoWei- lenmann, Fritz Baumann, Gustav Grabs |
| 1944 |
Radfahrer-Verein Zürich |
5:02,2 |
Gottfried Weilenmann, Leo Weilenmann, Hugo Koblet, Walter Bollier, Hans Hagenbuch |
| 1945 |
Velo-Club an der Sihl |
5:05,8 |
|
| 1946 |
Velo-Club Oerlikon |
5:00,2 |
|
| 1947 |
Velo-ClubOerlikon |
4:50,8 |
|
| 1948 |
Radfahrer-Verein Höngg |
5:00,4 |
|
| 1949 |
Radfahrer-Verein Höngg |
4:51,8 |
|
| 1950 |
Radfahrer- Verein Höngg |
4:56,8 |
|
| 1951 |
Velo'-Club Oerlikon |
4:48,4* |
|
| 1952 |
Radfahrer-Verein Zürich |
4:45.6* |
Edi Vontobel, Georgesfrei, Rene Strehler, Peter Ti efenthal er , |
| 1953 |
Velo-Club Oerlikon |
4:52,0 |
|
| 1954 |
Racing-Club Seebach |
5:04,2 |
|
| 1955 |
Radfahrer-Verein Höngg |
4:42,4* |
|
| 1956 |
Racing-Club Seebach |
4:37 ,8* |
|
| 1957 |
Racing-Club Seebach |
4:46,6* |
|
| 1958 |
Radfahrer- Verein Höngg |
4:52,3 |
|
| 1959 |
Radfahrer-Verein Zürich |
4:46,2 |
Rolf Maurer, Walter Signer, Dario Da Rugno, Jean Brun |
| 1960 |
Radfahrer-Verein Zürich |
ohne Zeit |
Walter Signer, Dario Da Rugno, Jean Brun,Willy Flück |
| 1961 |
Radfahrer-Verein Zürich |
4:46,0 |
Roland Zöffel, Jean Brun, Wemer Rezzonico, Fritz Schäppi |
| 1962 |
Radfahrer-Verein Zürich |
4:51,3 |
Jean Brun, Wemer Rezzonico, Willy Flück, Fritz Schäppi |
| 1963 |
Radfahrer-Verein Höngg |
4:48,5 |
|
| 1964 |
Radfahrer-Verein Höngg |
4:42,7 |
|
| 1965 |
Velo-Club Züri-2 |
4:52,3 |
|
| 1966 |
Velo-Club HirSlanden |
4:53,6 |
|
| 1967 |
Velo-Club Züri-2 |
4:41,8* |
|
| 1968 |
Radfahrer-Verein Zürich |
4:52.1 |
Walter Richard, Angelo Pfister, Eckhart Wolf, Pranz Nilef |
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* gefahren im Hallenstadion
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